Wir widmen uns heute einer der wichtigsten und unkonventionellsten Musikerpersönlichkeiten des deutschsprachigen Raums: Hubert von Goisern (bürgerlich Hubert Achleitner). Als Vordenker und Schöpfer des Alpenrock hat er die traditionelle Volksmusik entstaubt und sie mit globalen Rhythmen und Rockenergie auf die Weltbühne gebracht.
Steckbrief und Stil: Woher der Name stammt
Hubert von Goisern (*1952) stammt aus Bad Goisern im oberösterreichischen Salzkammergut – daher der Künstlername „von Goisern“. Sein musikalischer Stil ist schwer in eine einzige Schublade zu pressen, wird aber allgemein der Neuen Volksmusik und speziell dem Alpenrock zugerechnet.
- Genre: Alpenrock, Neue Volksmusik, Weltmusik, Funk, Blues.
- Instrumente: Hauptinstrument ist die Diatonische Ziehharmonika (Akkordeon), die er in ungewöhnlichen Kontexten einsetzt.
- Markenzeichen: Der Gesang im Dialekt (Goiserisch) und das virtuose Jodeln, das er von jeglichem Kitsch befreit hat.
Die Alpinkatzen: Aufgeigen statt niederschiassen
Der Durchbruch gelang Hubert von Goisern mit seiner Band Hubert von Goisern und die Original Alpinkatzen in den frühen 1990er Jahren. Der Bandname und der Titel ihres legendären Albums “Aufgeigen statt niederschiassen” (1992) standen programmatisch für ihren Ansatz: die Verweigerung von musikalischem Dogmatismus und die Belebung der oft verstaubten Volksmusik.
- Der Sound: Sie kombinierten traditionelle Volksmusikelemente (Landler, Jodler, Akkordeon) mit der Energie von Rock, Funk und Blues.
- Kontroverse und Erfolg: Seine Musik stieß bei Traditionalisten anfangs auf Ablehnung, wurde jedoch schnell zum Phänomen. Hits wie “Koa Hiatamadl” und “Heast as nit” wurden zu modernen österreichischen Volksliedern und sicherten der Band Gold- und Platinauszeichnungen in Deutschland und Österreich.
Von Goisern in die Welt: Weltmusik und künstlerische Reisen
Nach der Auflösung der Alpinkatzen 1994 verfolgte Hubert von Goisern seine Vision der Musik als Sprache ohne Grenzen weiter und entwickelte sich zum echten Weltmusiker.
- Afrika & Tibet: Er unternahm ausgedehnte Reisen (u. a. nach Tibet und zu Jane Goodall nach Gombe in Afrika) und verarbeitete die dort gewonnenen musikalischen Eindrücke in Alben wie “Gombe” (1998) und “Inexil” (1998), auf denen tibetische und afrikanische Klänge mit seinem alpenländischen Fundament verschmolzen.
- Die Linz-Europa-Tour (2007–2009): Sein wohl ambitioniertestes Projekt war die Donau-Tour. Er reiste mit einer umgebauten Frachtschiff-Bühne die Donau, den Rhein und ihre Nebenflüsse entlang und gab Konzerte mit lokalen Künstlern in über 20 Ländern, um musikalische Brücken zwischen Ost- und Westeuropa zu bauen.
Spätere Erfolge und heutiges Schaffen
Auch im 21. Jahrhundert blieb Hubert von Goisern stilistisch abwechslungsreich und erfolgreich:
- “Fön” (2000) & “Trad” (2001): Mit diesen Alben feierte er sein offizielles Comeback und gewann Amadeus Austrian Music Awards.
- Der Hit: 2011 gelang ihm mit “Brenna tuats guat” erstmals ein Nummer-1-Hit in Österreich.
- Neueste Werke: Sein Schaffen umfasst weiterhin Alben wie “Federn” (2015) mit Country- und Bluegrass-Einflüssen und das aktuelle Studioalbum “Zeiten & Zeichen” (2020), das sich kritisch mit aktuellen gesellschaftlichen Themen auseinandersetzt.
Hubert von Goisern ist damit nicht nur der Erfinder des Alpenrock, sondern eine moralische und künstlerische Instanz, die durch die Verbindung von Heimatliebe und Weltoffenheit eine einzigartige Position in der Musikwelt einnimmt.
Bildquelle: Von Sarah Marchant – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, Link

