Herzlich willkommen auf musizieren24.de/genres! Wir werfen heute einen Blick auf ein Musikgenre, das untrennbar mit der österreichischen Identität verbunden ist und Generationen geprägt hat: den Austropop. Er ist mehr als nur Popmusik aus Österreich – er ist eine einzigartige Mischung aus Wienerlied, kritischem Kabarett und internationalem Rock- und Popeinfluss, vorgetragen in authentischem Dialekt.
Was ist Austropop? Merkmale eines National-Genres
Der Begriff Austropop entstand Ende der 1960er Jahre und beschreibt primär Pop- und Rockmusik, die von österreichischen Künstlern meist in deutscher Sprache oder im Dialekt gesungen wird.
| Merkmal | Erklärung |
| Dialekt und Sprache | Der zentrale Unterschied zur deutschen Popmusik: Die Verwendung des österreichischen Dialekts (oft Wienerisch oder Steirisch) verleiht den Texten eine besondere Authentizität und Direktheit. |
| Lyrische Tiefe | Viele Austropop-Künstler stehen in der Tradition des Wienerlieds und des Kabaretts (wie Georg Kreisler, Qualtinger, Bronner). Die Texte sind oft melancholisch, schwarzhumorig, tiefgründig und sozialkritisch. |
| Musikalische Vielfalt | Der Austropop ist kein homogener Stil, sondern ein Sammelbegriff. Er reicht von folkigen Liedermacher-Balladen (Ambros) über stadiontauglichen Rock (Opus, S.T.S.) bis hin zu anspruchsvollem Funk-Pop (Falco). |
| Das Wiener Lebensgefühl | Typische Themen sind der melancholische Alltag, Beziehungsdramen, Alkohol, Einsamkeit, “Schmäh” (Witz/Sarkasmus) und die Reflexion über das Leben im Spannungsfeld von Großstadt und Alpenidylle. |
Die goldene Ära: Von Mendt bis Fendrich
Die Blütezeit des klassischen Austropop erstreckte sich von den frühen 1970er bis Mitte der 1980er Jahre.
Die Wegbereiter (Ende 60er/Anfang 70er)
Der offizielle Startpunkt wird oft mit dem Song “A Wunda” der Jazzsängerin Marianne Mendt (1970) markiert. Sie sang den Text im Wiener Dialekt und bewies damit, dass Mundart-Pop im Radio funktioniert.
- Wolfgang Ambros: Gilt als einer der Gründerväter. Sein Song “Da Hofa” (1971), eine makabere Ballade, etablierte den Dialekt-Rock endgültig. Ambros verband Folk, Rock und das Wienerlied.
- Georg Danzer: Der “Austro-Liedermacher” war bekannt für seine scharfe Sozialkritik und seinen oft melancholischen, manchmal auch humorvollen Blick auf die Gesellschaft (Jö schau, Der Tschik).
Die Rock- und Pop-Generation (Mitte 70er/80er)
In dieser Phase erreichte der Austropop seine größte Bandbreite und seinen größten internationalen Erfolg.
- Rainhard Fendrich: Der “Stimme Österreichs” gelang mit eingängigen Popsongs wie “Strada del Sole” (1981) und später mit politisch-satirischen Liedern wie “I am from Austria” der Spagat zwischen Unterhaltung und Anspruch.
- S.T.S. (Steinbäcker, Timischl, Schiffkowitz): Die steirische Band etablierte den akustisch-getragenen, mehrstimmigen Rock. Ihre Hits wie “Fürstenfeld” oder “Großvater” wurden zu echten Volksliedern der modernen Zeit.
- E.A.V. (Erste Allgemeine Verunsicherung): Eine Kunstfigur des Austropop. Mit ihrer Mischung aus New Wave, Rock und Kabarett und ihren absurden, satirischen Texten (Küss die Hand, schöne Frau) feierten sie auch in Deutschland riesige Erfolge.
- Opus: Lieferten mit “Live is Life” (1984) einen der größten internationalen One-Hit-Wonder aller Zeiten, der den Austropop über die Genregrenzen hinaus bekannt machte.
Falco: Der Pop-Avantgardist
Falco (Hans Hölzel) steht für eine Sonderform des Austropop. Er verband das Wienerische mit internationalem New Wave und Hip-Hop-Rhythmen.
- Falco war der erste deutschsprachige Künstler, dem es gelang, mit “Rock Me Amadeus“ (1985) die Spitze der US-Billboard-Charts zu erobern.
- Sein Stil war geprägt von Dandytum, intellektueller Lyrik und einer musikalischen Kompromisslosigkeit, die ihn oft über das reine Austropop-Etikett hinaus hob.
Austropop heute: Die Neue Welle
Nachdem es in den 1990er Jahren ruhiger um das klassische Genre wurde, erlebt der Austropop seit den 2010er Jahren eine Renaissance und eine Neudefinition.
- Christina Stürmer: Sie ist eine der kommerziell erfolgreichsten Künstlerinnen des 21. Jahrhunderts und maßgeblich daran beteiligt, den Austropop wieder im Mainstream zu etablieren. Songs wie “Ich lebe” und “Engel fliegen einsam” (gesungen in hochdeutschem Deutsch, aber mit stark österreichischem Akzent und Lebensgefühl) brachten das Genre in die deutschsprachigen Charts und auf große Festivalbühnen.
- Wanda: Bands wie Wanda (Bologna) nutzen den Wiener Dialekt und verbinden ihn mit einem ironischen, leicht trashigen Rock’n’Roll-Attitüde.
- Bilderbuch: Die Band Bilderbuch (Maschin) spielt mit hochglänzendem, intellektuellem Funk-Pop und hat das Genre stilistisch erneuert.
- Hubert von Goisern: Schuf mit dem Alpenrock ein eigenes Subgenre, das traditionelle Volksmusik mit Elementen aus Rock und Weltmusik verbindet (Hiatamadl).
Der Austropop bleibt ein lebendiges, sich ständig wandelndes Genre, das seinen Reiz aus der unverwechselbaren Sprache, dem Hang zur Melancholie und dem Mut zur Gesellschaftskritik zieht.

