Gestern Abend wurde in den Berliner Atelier Gardens zum dritten Mal der POLYTON verliehen. Während die Gewinnerliste von SSIO bis Giovanni Zarrella reicht, übt die Fachpresse erneut scharfe Kritik am Konzept des „Anti-Echos“.
Berlin. Die Erwartungen waren hoch, als die Band Mia den gestrigen Abend eröffnete. Nach einer Verschiebung ins Frühjahr 2026 sollte der POLYTON endlich beweisen, dass er mehr ist als ein elitäres „Art-Piece“ der Berliner Szene. Doch kaum sind die Scheinwerfer aus, meldet sich der Rolling Stone mit einem vernichtenden Urteil: Der Preis bleibe „erschreckend blass“ und weise weiterhin „auffällige Leerstellen“ auf.
Die Preisträger 2026: Ein bunter Mix ohne Kommerz-Druck
Anders als beim abgeschafften Echo zählen beim POLYTON nicht die Charts, sondern das Votum der 160 Akademie-Mitglieder. Die diesjährigen Gewinner spiegeln tatsächlich eine breite (wenn auch eklektische) Palette wider:
- Rap: SSIO (Alles oder Nix)
- Pop: Nina Chuba & Marie Bothmer (Rage Girl Remix)
- Rock: Kadavar (I Just Want to Be a Sound)
- Indie Pop: CATT (A Different Life)
- Punk: Turbostaat (Alter Zorn)
- Schlager: Giovanni Zarrella (Universo)
- EDM: Ellen Allien (Berlin Beats)
- Newcoming: Jonny Mahoro
Kritik: „Ein Preis, den niemand versteht“?
Trotz der namhaften Gewinner bleibt die Inszenierung der Streitpunkt. Der Rolling Stone kritisiert das „nüchterne Setting mit aufwendiger LED-Beleuchtung“, das zwar modern wirken wolle, aber jegliche emotionale Strahlkraft vermissen lasse. Während die Akademie rund um Herbert Grönemeyer, Shirin David und Kreativdirektorin Balbina den Preis als kuratierten Gegenentwurf zu Grammy oder Brit Awards feiert, fragen Kritiker nach der Relevanz für das breite Publikum.
Besonders pikant: Die Gala rückt terminlich nun in die Nähe des alten Echo-Slots. Ein Vergleich, dem der POLYTON laut Kritikern handwerklich noch nicht standhalten kann – trotz massiver staatlicher Förderung.
Was bedeutet das für uns Musiker?
Für Musizieren24 bleibt der POLYTON dennoch spannend. In den Kategorien wird Handwerk gewürdigt, das in reinen Fan-Votings oft untergeht. Dass Acts wie Kadavar (Rock) oder Ellen Allien (EDM) für ihre spezifische Sound-Ästhetik ausgezeichnet werden, zeigt, dass die Akademie ein Ohr für Produktion hat – auch wenn die Show drumherum noch ihre Identität sucht.

