Die ikonischen Klänge stammen vom Alan Parsons Project und heizten einst den Fans der Chicago Bulls um Michael Jordan ein. Warum ein instrumentales Intro von 1982 im Sommer 2026 zum ultimativen akustischen Schockmoment der FIFA Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko avanciert.
Zu welcher Musik betreten die Nationalteams die gigantischen Arena-Rasenflächen bei der WM 2026? Wer die laufenden Spiele in Los Angeles, Mexiko-Stadt oder Toronto am Bildschirm oder live im Stadion verfolgt, wird von einer vertrauten, tief unter die Haut gehenden Soundwand begrüßt.
Dabei handelt es sich um eine inzwischen unsterbliche Sport-Hymne, die ursprünglich überhaupt nicht für diesen Zweck geschrieben wurde: „Sirius“, das legendäre Prologstück aus dem Album „Eye In The Sky“ vom Alan Parsons Project aus dem Jahr 1982.
Die Chicago Bulls machten „Sirius“ berühmt
Dass die dichten Synthesizer-Flächen längst zu einem weltweiten Gänsehauteinstieg für Fußball-Mannschaften geworden sind, hat der Sport ironischerweise dem Basketball zu verdanken. Die Chicago Bulls wählten „Sirius“ im Jahr 1984 zu ihrer festen Begleitmusik vor eigenem Publikum – und traten damit eine Lawine von Nachahmern los.
Die Entstehungsgeschichte im US-Sport basiert auf einem echten Geniestreich: Tommy Edwards, der damalige Hallensprecher der Chicago Bulls, hörte das Lied zufällig in einem Kino in Chicago, wo es als Hintergrundmusik vor dem Hauptfilm lief. Edwards war sofort von dem hämmernden Clavinet-Riff gefesselt. Ihm war klar: Das ist die perfekte Inszenierung für die Spielervorstellung der Bulls.
Weil es im Sportmarketing selten Zufälle gibt, passte das Timing perfekt: 1984 war auch das Jahr, in dem ein gewisser Michael Jordan zu den Chicago Bulls stieß. Das Marketing-Team suchte nach einer spektakulären Möglichkeit, die Heimspiele im Chicago Stadium zu einem echten Entertainment-Event zu machen. Die Kombination aus dem treibenden Instrumentaltrack von Alan Parsons und dem bahnbrechenden Trick, das Hallenlicht kurz vor dem Einlauf komplett abzuschalten, revolutionierte die Sportwelt für immer.
Vom Basketball-Parkett auf den WM-Rasen 2026
Längst hat „Sirius“ das Parkett verlassen und ist in den größten Fußballstadien der Welt zu einer der beliebtesten Einlaufmusiken avanciert.
- In Deutschland: Hierzulande nutzen unter anderem Eintracht Frankfurt, der FC Augsburg und der VfL Wolfsburg die Nummer, um die Heimkurve auf Betriebstemperatur zu bringen.
- International: Auch die Starmannschaft von Manchester City pusht sich und das Publikum im Etihad Stadium seit Jahren mit diesen Klängen.
Bei der WM 2026 erreicht der Track nun seine nächste monumentale Stufe. Wenn die Teams in den hypermodernen US-Stadien einlaufen, verbindet „Sirius“ die Retro-Ästhetik der US-Sportgeschichte perfekt mit der bombastischen Kulisse des größten Fußballturniers aller Zeiten.
Was man über den Song wissen muss
- Der Name: Benannt ist der Song nach dem hellsten Stern am nächtlichen Himmel, der im Volksmund auch als „Hundsstern“ bekannt ist.
- Die Technik: Das berühmte musikalische Motiv gestaltete Mastermind Alan Parsons, als er mit einem Clavinet (einem elektrischen Saiten-Keyboard) experimentierte. Er programmierte ein kurzes, hämmerndes Ton-Muster ein, das als rhythmisches Fundament dient. Wer das Album „Eye In The Sky“ vollständig hört, erlebt übrigens, wie das Instrumentalstück „Sirius“ völlig nahtlos und bruchlos in das ebenso erfolgreiche, sanfte Titellied übergeht.
- Die Tantiemen-Überraschung: Alan Parsons und sein verstorbener Songwriting-Partner Eric Woolfson bekamen von der US-Sportnutzung anfangs übrigens überhaupt nichts mit. Erst als Parsons Jahre später zufällig ein Bulls-Spiel im Fernsehen verfolgte, realisierte er die unfassbare Tragweite der Zweckentfremdung – und freute sich über die sprudelnden Tantiemen.
In Interviews scherzte der Brite oft über diesen skurrilen Meilenstein seiner Karriere: Es sei schon eine besondere Ironie, dass sein im Sport weltweit berühmtestes Werk ein Song ist, bei dem niemand singt und das eigentlich nur als zweiminütiges Intro für ein ganz anderes Lied gedacht war. Bei der WM 2026 beweist dieses Intro nun einmal mehr, dass es die Ewigkeit überdauert.

