Heute beleuchten wir ein tiefes, warm klingendes Instrument, das oft im Schatten der populäreren Blasinstrumente steht, aber in jedem Orchester unverzichtbar ist: das Fagott. Mit seinem sonoren Klang und seiner beeindruckenden Bandbreite ist es der Bassbariton unter den Holzblasinstrumenten.
Steckbrief und Aufbau
Das Fagott (italienisch: fagotto, wörtlich “Bündel” oder “Reisigbündel”, in Anspielung auf seinen vielteiligen Aufbau) ist ein doppelrohriges Holzblasinstrument. Es gehört zur Familie der Holzblasinstrumente, obwohl sein Korpus heute oft aus Ahorn gefertigt wird.
| Merkmal | Spezifikation |
| Instrumentenfamilie | Holzblasinstrumente |
| Klangerzeugung | Doppelrohrblatt (Doppelrohrblattinstrument) |
| Bauweise | Konisches Rohr (von oben nach unten erweitert) |
| Tonumfang | Reicht von tiefen Subkontra-Lagen bis in hohe Tenor-Lagen |
| Stimmung | In der Regel in C (klingt, wie notiert) |
Die fünf Teile des Fagotts
Das Fagott ist so lang (über 2,5 Meter entrollt), dass es für eine handliche Spielweise geknickt wird. Es besteht aus fünf Hauptteilen:
- S-Bogen (Crook/Bocal): Das metallene, S-förmige Röhrchen, auf das das Rohrblatt gesteckt wird.
- Flügel (Wing Joint): Das aufsteigende Rohrstück.
- Stiefel (Boot Joint): Der doppelt geführte Hauptteil des Instruments, in dem die Luftsäule nach unten und wieder nach oben läuft.
- Bass-Stück (Long Joint): Das längste Rohrstück.
- Schallstück (Bell Joint): Das oberste, trichterförmige Ende.
Der Klang und seine Funktion
Der Fagottklang ist warm, dunkel, melancholisch und samtig. Er ist bekannt für seine Vielseitigkeit in verschiedenen Registern:
- Tiefe Lage: Klingt sonor, mächtig und oft etwas düster – ideal für tiefe Basslinien oder dramatische Soli.
- Mittlere Lage: Ist sanft und lyrisch und eignet sich hervorragend für Kantilenen und das Verschmelzen mit Violoncelli oder Klarinetten.
- Hohe Lage: Kann nasal, intensiv und sehr ausdrucksstark wirken.
Im Orchester übernimmt das Fagott mehrere wichtige Aufgaben:
- Bassfunktion: Es bildet das Bassfundament der Holzbläsergruppe und stützt die Streicher.
- Harmonische Füllung: Es füllt die Mittelstimmen aus und sorgt für klangliche Wärme.
- Charakterrolle: Aufgrund seiner Fähigkeit, skurrile, komische oder melancholische Stimmungen zu erzeugen (z. B. in der Musik von Igor Strawinsky), wird es oft für charakteristische Soli eingesetzt.
Geschichte und Entwicklung
Die Ursprünge des Fagotts reichen bis ins 16. Jahrhundert zurück, wo Vorläufer wie der Dulcian verbreitet waren.
- Barock: Das moderne Fagott entwickelte sich im 17. Jahrhundert in Frankreich. Es wurde schnell zu einem Standardinstrument in der Barockmusik (z. B. in den Konzerten von Antonio Vivaldi).
- Klassik und Romantik: Das Fagott wurde zu einem essenziellen Orchesterinstrument. Es erhielt immer komplexere Klappenmechanismen, um chromatische Tonleitern und schnelle Passagen leichter spielbar zu machen.
- Systeme: Heute dominieren zwei Hauptsysteme: das französische Buffet-System und das weltweit verbreitete Heckel-System (benannt nach dem deutschen Instrumentenbauer Johann Adam Heckel).
Das Kontrafagott: Der Subwoofer des Orchesters
Eine besondere Form ist das Kontrafagott. Es ist etwa doppelt so lang wie das Fagott und klingt eine Oktave tiefer. Es liefert das tiefstmögliche Fundament der Orchesterinstrumente und wird vor allem in spätromantischen und modernen Werken (z. B. von Gustav Mahler oder Richard Strauss) eingesetzt.
Berühmte Werke für das Fagott
Das Fagott hat zahlreiche beeindruckende Soli und konzertante Werke in der Musikgeschichte hervorgebracht:
- Wolfgang Amadeus Mozart: Konzert in B-Dur für Fagott und Orchester.
- Igor Strawinsky: Die berühmte, hoch liegende Eröffnungsmelodie in Le Sacre du Printemps (Das Frühlingsopfer).
- Peter Tschaikowsky: Das melancholische Solo im zweiten Satz seiner 6. Sinfonie (Pathétique).
- Maurice Ravel: Das berühmte Kadenz-Solo am Beginn des Konzerts für Klavier und Orchester in G-Dur.
Das Fagott mag kein Instrument für schnelle Popularität sein, aber seine einzigartige Klangfarbe und seine fundamentale Bedeutung für das Orchester machen es zu einem der faszinierendsten und technisch anspruchsvollsten Instrumente überhaupt.

