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Inside the Lab: Das Equipment und Studio-Setup von Ludwig Göransson

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    Der schwedische Komponist Ludwig Göransson ist berühmt für Sounds, die organisch beginnen, aber digital zerbrechen. In seinem aktuellen Score zu „Sinners“ nutzt er dieses Element, um das Unbehagen der Vampir-Präsenz hörbar zu machen. Wir zeigen dir Schritt für Schritt, wie du mit dem Granular-Plugin „Portal“ von Output genau diesen Effekt nachbaust.

    Granularsynthese klingt oft kompliziert, aber im Kern geht es darum, ein Audiosignal in winzige Schnipsel („Grains“) zu zerlegen und diese neu anzuordnen. Göransson nutzt dies nicht für sphärische Flächen, sondern für perkussive, glitchige Texturen.

    Die 5-Schritte-Anleitung zum „Göransson-Glitch“

    Die Quelle: Organisch ist Pflicht

    Wähle kein steriles Synth-Sample. Nimm eine Akustikgitarre, eine Violine oder sogar ein Field Recording von klapperndem Besteck. Je mehr Transienten (kurze Anschlagsgeräusche) das Signal hat, desto besser funktioniert der Glitch.

    Portal laden & „Grain Size“ einfrieren

    Öffne Output Portal auf deiner Spur.

    • Geh in die „Advanced“-Ansicht.
    • Setze die Grain Size auf einen sehr kleinen Wert (zwischen 10ms und 50ms).
    • Drehe den Density-Regler hoch, damit die Schnipsel dicht beieinander liegen.

    Den Rhythmus erzwingen (Sync)

    Damit der Effekt nach Göransson klingt, darf er nicht einfach nur rauschen, er muss atmen.

    • Aktiviere die Sync-Funktion für die Grain-Modulation.
    • Nutze den integrierten Step-Sequencer (LFO), um die Position des Grains rhythmisch springen zu lassen (z. B. auf 1/8 oder 1/16 Noten).

    Pitch-Shifting & Unberechenbarkeit

    Das ist das Geheimnis von Sinners: Die Tonhöhe schwankt unangenehm.

    • Moduliere den Pitch-Regler in Portal mit einem Random-LFO.
    • Stelle den LFO so ein, dass er nur minimale Sprünge macht (z. B. +/- 100 Cents). Das erzeugt diesen „leiernden“, verstimmten Effekt einer alten Bandmaschine.

    Das „Reverse“-Element

    Göransson liebt rückwärts laufende Sounds.

    • Erhöhe in Portal den Reverse-Anteil auf etwa 25 %. Das sorgt dafür, dass jeder vierte Schnipsel rückwärts abgespielt wird, was den Fluss des Originals aufbricht, ohne den Rhythmus zu verlieren.

    Profi-Tipp: Parallel Processing

    Der Effekt kann sehr extrem sein. Nutze den Dry/Wet-Regler in Portal oder lege das Plugin auf einen Send-Bus. Ludwig lässt oft das trockene, saubere Signal (z. B. die Resonator-Gitarre) im Zentrum und legt den „Glitch-Schleier“ leise und weit im Panorama verteilt (Panned) dahinter.

    Die Hardware-Favoriten (Analog & Modular)

    Für den Oscar-prämierten Score von Sinners setzte er auf physische Präsenz:

    • 1932er Dobro Resonator: Das Herzstück des Soundtracks. Er nutzt sie nicht nur für Melodien, sondern klopft auf den Metallkorpus für perkussive Texturen.
    • Moog One: Sein Go-To für die tiefen, bedrohlichen Bässe, die den Horror im Film untermalen. Er nutzt ihn oft im “Unison”-Modus für maximale Breite.
    • SOMA Lyra-8: Ein organischer Organismus-Synthesizer. Göransson nutzt ihn für die unberechenbaren, schreienden Texturen, die die “Vampir-Aura” erzeugen.
    • Bricasti M7 Reverb: Für Ludwig der einzige Reverb, der die Tiefe eines echten Konzertsaals simulieren kann, ohne den Mix zu matschen.

    Die Essential VST-Plugins (In seiner DAW)

    Obwohl er viel live aufnimmt, ist seine DAW (hauptsächlich Ableton Live 12 für das Design und Pro Tools für das Scoring) voll mit spezialisierten Tools:

    Textur & Sounddesign

    • Output Portal: Sein Geheimtipp, um akustische Instrumente (wie die Fiddle in Sinners) in granulare, jenseitige Klangwolken zu verwandeln.
    • Arturia Fragments: Er nutzt dieses Granular-Plugin 2026 intensiv, um rhythmische Glitch-Effekte aus einfachen Field Recordings zu generieren.
    • Soundtoys Decapitator: Um die digitalen Spuren so “anzuzerren”, dass sie nach altem Mississippi-Delta-Equipment klingen.

    Orchester & Hybrid

    • Spitfire Audio – Audio Visual Collection: Eine Custom-Library, die er zusammen mit Spitfire entwickelt hat (ähnlich wie die Hans Zimmer Reihe).
    • Heavyocity Damage 2: Für die massiven, hybriden Percussions, die besonders in den Action-Szenen von Sinners und The Mandalorian den Takt angeben.
    • Spectrasonics Omnisphere 2.8: Ludwig nutzt hier oft eigene Samples, die er durch die leistungsstarke Engine von Omnisphere jagt.

    Effekte & Pedale: Der “Göransson-Dreck”

    Bevor ein Signal in den Rechner geht, passiert es oft seine Pedalboard-Kette:

    • Chase Bliss Mood MKII: Für micro-looping und atmosphärische Umkehrungen in Echtzeit.
    • Strymon BigSky MX: Der neue Standard 2026 für orchestrale Weite.
    • Gamechanger Audio Plus Pedal: Damit “friert” er Töne der Resonator-Gitarre ein, um endlose Flächen zu erzeugen, über die er dann soliert.

    Profi-Tipp von Ludwig für Musizieren24-Leser:

    „Ich verbringe oft Tage damit, ein einziges Geräusch aufzunehmen – sei es das Ticken einer Uhr oder das Knarren einer Tür. Wenn du dieses Geräusch dann um drei Oktaven nach unten pitchst und durch ein Reverb schickst, hast du einen Sound, den keine Library der Welt besitzt. Das ist der Schlüssel zur Originalität.“

    Mehr über Ludwig erfahren

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    musizieren24
    Author: musizieren24

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